Dreitägiger Intensivcrashkurs in Marokko

Hallo Leute, Grüße aus Afrika! Ich habe vor drei Tagen die Kontinente gewechselt und mache jetzt hier in Marokko weiter.

Ich hatte vorher schon einiges über  Marokko gelesen und dachte ich wäre vorbereitet, aber die Realität ist immer anders als man denkt.

Nach einem vergeblichen Versuch von mehreren Stunden kostenlos mit einem LKW auf die Fähre nach Tanger/Marokko zu trampen, habe ich mir ein Personenticket gekauft und bin gegen Abend in Algeciras an Bord gegangen. Die LKW Fahrer hatten irgendwie keinen Bock auf tramper oder es hat sich etwas in den Bestimmungen geändert, das ein LKW Fahrer einen Beifahrer kostenlos mitnehmen kann.

Wie auch immer, auf der Fähre habe ich meine erste marrokanische Bekantschaft gemacht. Ich war glaube ich der einzige Europäer an Bord.

Nachdem ich eines dringenden Bedürfnisses nachgegangen war, sprach mich ein älterer Mann mit Leonidasbart grinsend mit einer Mischung aus Arabisch und Französisch an und machte mir deutlich das ihm mein Bart gefiel :D. Jaja, zwei Bärte auf Reisen… Als erstes stellte er mich seinem deutschsprechenden Freund vor, der mir die Passprozedur auf deutsch erklärte und dann sagte er immer wieder etwas von Trut, was sich später als ein Versuch herausstellte die „Truth“ auszusprechen (Wahrheit). Und er bestand darauf, dass ich in Marokko die Wahrheit suchen müsste.

Hmm. Das alles kam mir schon reichlich merkwürdig vor. Später hat er mir noch ein Essen und ein Getränk spendiert mit großartigen Gesten und einem immerwährenden Grinsen im Gesicht. Ich bin nicht ganz sicher, was er in mir gesehen hat. Vielleicht einen Wikingerpropheten, der nach Marokko kommt um dort Erleuchtung zu finden. Vielleicht bin ich das ja, wer weiß :D.

nach gut einer Stunde Fahrzeit war ich dann im Hafen von Tanger, der dummerweise mitten im Nirgendwo liegt, nicht etwa in der Nähe einer Stadt. Es war schon spät, die Banken hatten zu und ich wollte mir nicht schon wieder Geld abheben, da ich noch genügend große Euroscheine hatte und damit nicht nachts in Afrika durch die Straßen gurken wollte.

Das führte zu meinem ersten Fehler aus dem ich lernen durfte. Ich ging langsam und offensichtlich suchend umherschauend an einer Horde wartender „hilfsbereiter“ Männer vorbei. Nicht gut. Zack war schon einer bei mir und bot mir seine Hilfe an. Ich war leider noch von meinem positiven Erlebnis mit Leonidas komplett verblendet und sah nicht, das dieser Mann andere Beweggründe hatte mir zu helfen. Beweggründe aus bunt bedrucktem Papier. Er führte mich zu einer Bushaltestelle von der aus ich in die 55 km entfernte Stadt Tanger fahren konnte. Ich sagte ihm noch das ich noch keine Marrokanische Währung hatte und bot an das Euro zu wechseln. Ich witterte schon Gefahr und gab ihm nur 3 € und ein paar cent und dachte damit wäre es erledigt, da ein Busticket umgerechnet nur ca 80 cent kostet. Der Rest wäre von mir aus für ihn gewesen.

Zack rennt der Typ los auf einen Hügel um dort in einem Laden das Geld zu wechseln. Ich dachte er hatte das Wechselgeld bei sich. Kommt wieder und will mir weiß machen, das der Bus 20 Diram (2€) kostet und wollte von mir noch zusätzlich 10€ Trinkgeld haben. Nach einer langen Diskussion, in der er immer aggressiver wurde, da er sich anscheinend um sein Geld betrogen gefühlt hatte, wo er dem Touristen mit bestimmt unermesslichen Reichtum schon so gut geholfen hatte, machte er sich fluchend mit meinen 3 Euros davon, so das ich diese letztendlich als Lehrgeld für eine astreine marokkanische Bettelbetrugsscheinhilfsleistungserfahrung bezahlen konnte und obendrein fuhr mir deswegen noch der letzte Bus vor der Nase weg.

Solche Erfahrungen gleich zu Anfang härten ab für später. Ich sagte ihm noch, dass ich trampen werde worauf er mich für verrückt erklärte…

Ein anderer Mann der das Ganze beobachtet hatte bot mir nach einem kurzen Gespräch dann an bei ihm zu übernachten, da er gleich hier am Hafen wohnt. Ich nahm es kurzerhand an, mit dem Gedanken, dass das jetzt so ähnlich wird wie couchsurfen in Deutschland, nur in Marokko.

Tja, anfangs war es sehr interessant seine Wohnung zu sehen. Er hatte einen kleinen Raum mit kleiner Küche und einer arabischen Toilette und hatte sogar marokkanisch für uns gekocht. Er bestand darauf, das ich meine Wäsche bei ihm wasche und eine heiße dusche nehme. Das war dann Handwäsche auf kleinstem Raum und als Dusche diente ein Eimer mit lauwarmen Wasser und Schöpfbehälter.

Wir haben uns gut unterhalten über Deutschland, Marokko und Religionen. Er schien auch irgendwie von Hitler angetan zu sein und dachte er macht mir mit einem Hitlergruß eine Freude. „Es war ein guter Mann, gut für Deutschland. Der wußte wo es lang geht“. Ich konnte es ihm nicht ausreden und er verstand nicht wieso ich nicht auch so dachte. Ich war schließlich Deutscher…

Später ging er immer mehr dazu über zu entscheiden was gut für mich ist und das mit einer solchen Behaarlichkeit, dass ich anfangs nur ihm zu Liebe die Sachen aktzeptierte um seine Gastfreundschaft zu respektieren.

Ich sollte unbedingt mit Shampoo duschen, was er auch kontrolliert hat. Er konnte es nicht verstehen warum ich kein Shampoo verwende. Dann rückte er mit einer Deoflasche an und sprühte mich damit ohne zu fragen ein, da es ihm offensichtlich auch nicht in den Sinn kam dass es Leute gibt, die soetwas nicht mögen. Ich fing langsam an die Entscheidung zu bereuen bei ihm zu schlafen. Er zog sich eine Zigarette nach der anderen rein zusammen mit Alkohol und ich verstrickte mich immermehr in eine Art Schuldgefühl weiter sein Gast sein zu müssen um ihn nicht zu verletzen.

Den nächsten Tag wollte ich mich eigentlich nach Tanger absetzen, nur dass er bis spät Nachts um 5 nicht mit Reden aufhörte und den nächsten Tag mich dann unbedingt nach Tanger begleiten wollte.

Er sieht sich anscheinend als eine Art professionellen Helfer der Jedermanns Freund sein möchte. Er scheint wirklich zu denken, dass er mir mit all den Sachen einen großen Gefallen tut in dem er es mir „an nichts fehlen läßt“.

Er besorgte mir zwar alles was ich haben wollte, allerdings lies er mich immer dafür bezahlen, samt Lebensunterhalt für ihn, so dass meine täglichen Kosten auch nicht wesentlich geringer waren als wenn ich mich alleine durchgeschlagen hätte.

Die Krönung war dann, dass er mein Smartphone ohne zu fragen benutzt hatte während ich schlief ohne irgendeine Peilung zu haben was er da tut. Er dachte anscheinend, dass es sein Facebookaccount sei, auf dem er dort seine Bilder von halb nackten Frauen und sich selbst präsentiert, wie es sonst seine Art ist.

Und Pornos hat er sich auch jede Menge reingezogen, wie ich später in der history sehen konnte und damit jede Menge Volumen meines Internetkontingents aufgebraucht (natürlich nur ausversehen und so). Ich hoffe, dass nicht allzuviele Leute in den „Genuß“ dieser Posts gekommen sind bevor ich es aus meiner Chronik gelöscht habe.

Der Typ scheint ein sehr großes Geltungsbedürfnis zu haben. Bis heute bin ich mir nicht sicher wieviel von seinem Gehabe aufrichtig und wieviel Abzocke war. Im Prinzip hätte er mich vielmehr abziehen können wenn er gewollt hätte, aber vielleicht wollte er nur mein Vertrauen gewinnen. Entweder ist er super gerissen und ein Meister im Schauspielern, oder was ich eher denke, er hat ein etwas verzogenes Weltbild und schätzt die Leute falsch ein und ist etwas einfach gestrickt. Er lebt dort alleine und hat sich auch sehr über meine Gesellschaft gefreut. Er wollte mich gar nicht mehr gehen lassen und hat irgendwie alles versucht um meinen Aufenthalt zu verlängern, was ihm auch geglückt ist. Denn 3 Nächte wollte ich eigentlich nicht dort bleiben und mich kontinuierlich von ihm zuqualmen lassen.

Am Ende war ich froh, dass ich ihn endlich los war. Es waren viele interessante Erfahrungen in den drei Tagen, aber auch genausoviele schlechte.

Auf jedenfall habe ich jede Menge in diesem marokkanischem Crashkurs gelernt :D. Mal sehen wer mir noch so alles in den nächsten Tagen über den Weg läuft :D.

Trampen aus finanziellen Gründen lohnt sich hier absolut nicht, da Busse für weite Entfernungen schon ab 80 cent zu haben sind, aber versuchen werde ich es wegen der Erfahrung noch auf jeden Fall.

Morgen gucke ich mir die Stadt Tetouan nochmal bei Tag an.

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Lebe grün und frei,
Der Wildgruenwanderer 🙂

2 Gedanken zu „Dreitägiger Intensivcrashkurs in Marokko“

  1. Jetzt auch mal wieder ein Kommentar von mir.
    Ich kann nur staunen, wie das heutzutage alles geht. Ja, Reisen bildet und die Erfahrungen sind sehr gut im Leben. Für mich ist die Besonderheit, dass ich so schön mitreisen kann und dabei vorm Laptop in einem schönen warmen Zimmer sitze.
    Parallel läuft auf dem großen PC gerade eine Renderung für ein kleines Filmchen von mir, weil ich da noch mal Korrekturen anbringen wollte. Sowas schaffe ich noch.
    Die GO K.B.

    1. Hey, schön von dir zu hören. Ja ich bin momentan auch viel am Staunen hier in Marokko 🙂 Tetouan ist eine sehr schöne Stadt. Grüße aus Marokko!

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