Von Azrou nach Beni Mellal

Gestern war zwar etwas durchsetztes Wetter, aber ich bin trotzdem mit meinem neuen Kumpel in die Berge losgezogen, denn es hat mal nicht geregnet. Das erste Highlight war eine wilde Horde Affen im Wald, die sich dort umhergetollt haben.

Der Wald dort hat dort einen sehr hohen Zedernanteil und man kann sich gar nicht genug an den Holzsplittern sattriechen.

Zurück sind wir dann per Anhalter gefahren. Es ging ziemlich schnell im Vergleich zu Spanien. Vielleicht 10 Minuten gewartet und da hielt ein älterer Mann mit seiner Frau und ließ uns mitfahren. Trampen scheint sehr gut zu funktionieren und die Leute da verstehen auch den Daumen nach oben, nicht so wie es in vielen Foren oder anderen Internetquellen steht.

Abends haben wir uns in seinem Hotelzimmer getroffen und er hat dort mit einer Gasflasche und Tajingeschirr ein traditionelles Tajin vorbereitet. Unter Tajin versteht man sowohl das Essen als auch die Art und Weise der Zubereitung.

Die Gasflasche stand im Wandschrank mit dem Essen drauf und er hat noch ein paar Zedersplitter und Apfelsinenschalen abgekokelt um den Essensgeruch damit zu überdecken. Auch das Fenster hatte er zugehangen, damit die Kameras draussen nicht durchs Fenster aufnehmen konnten. Es war nämlich verboten dort im Hotel mit einem Gaskocher im Wandschrank mit offenem Feuer Essen zu kochen, nicht so wie in anderen Hotels :D.

Auf jeden Fall war das Essen das Leckerste was ich bisher in Marokko gegessen hatte. Gemüse gemischt mit Nüssen und Trockenfrüchten zusammen im Dampfbehälter gegart.

Leider endete der Abend nicht gut, denn auf einmal wollte mein Gastgeber Geld für alles haben: Essen, Ausflug und selbst die Gasflasche. Ok zwar nicht nett das auf einmal im Nachhinein zu verlangen aber ich gab ihm einen fairen Anteil für seine Unkosten, der eigentlich mehr als genug sein sollte. Schöne Gastfreundlichkeit. Da hätte ich auch in ein Restaurant gehen können. Ich dachte eigentlich ich hatte ihm vorher klargemacht das ich kein Geld geben werde, aber entweder konnte oder wollte er es nicht verstehen. Nachdem ich ihm das Geld gegeben hatte wollte er dann noch mehr, wurde wütend und fing an rumzuzetern. Letztendlich verließ ich den Raum mit einem schlechten Gefühl und wußte nicht, ob der Typ jetzt die ganze Zeit eine Masche abgezogen hatte, um mir Geld abzuschwatzen oder ob ich einfach zu blöd bin, die hohe Kunst der marokkanischen Gastfreundlichkeit zu verstehen. Er wollte mir auch nicht glauben das ich nicht viel Geld habe, da ich doch aus Deutschland komme und für mich doch 100€ nichts sind.

Ich denke viele Leute hier kennen das Prinzip des bedingungslosen Schenkens nicht und schenken nur etwas in Erwartung dann dafür auch etwas zu bekommen, das sie zufriedenstellt.

Einladungen werde ich hier in Zukunft nun leider nicht mehr annehmen können. Ich werde mit dieser Mentalität hier einfach nicht warm aus jedem Scheiß ein Geschäft machen zu müssen und ständig als wandelder Geldsack angesehen zu werden, nur weil ich helle Haut und Haare habe. Im Prinzip eine eigene Art von Rassismus.

Heute morgen hab ich mich dann mal wieder in einen Bus gesetzt und biin weiter nach Süden gefahren. Nach Beni Mellal. Das war eine sehr gute Entscheidung!

Ich stieg aus dem Bus und irgendetwas stimmte nicht. Was war es? Nach einer Weile wurde es mir klar: Nichts, Ruhe, keine „Hey Freend“-Kletten im Rücken. Ich ging über einen gut besuchten Markt. Links und rechts gedrängte Gemüse und Obststände. Dort ein paar blutige Ziegenköpfe freundlich lächelnd auf der Theke aufgereit. Der grausame Gestank von frisch geschlachtetem Vieh. Aber keiner sprach mich an und wollte wissen woher ich komme und wie es mir geht. Ich muß sagen ich fühlte mich etwas vernachlässigt :D. Nein im Ernst, es war eine Erholung. Ich kaufte etwas Obst zu einem Spottpreis und konnte in Ruhe durch die Stadt gehen und mir ein Hotel suchen. Diese Stadt kann ich nur jedem empfehlen, der den Touristenfallen entkommen möchte.

Es hat allerdings auch einen Nachteil: hier muß man sehr lange nach traditionellem Essen suchen, denn das wird sonst nur für Touristen gemacht. Die Einheimischen kochen zu Hause traditionell und wollen dann in den Restaurants lieber Pizza oder Burger essen. Das kennen wir ja von irgendwoher nicht? 😀

Auch die Berge des Atlasgebirges sind hier nur einen Katzensprung entfernt, den ich morgen springen werde denke ich ;).

Ich unternahm noch einen kurzen Streifzug, der irgendwo im Unterholz endete. Das war offensichtlich ein Spielversteck eines Jungen, der mir über den Weg lief als ich aus dem Gebüsch hervorbrach. Ich glaube er dachte da kommt ein Pirat aus dem Gebüsch und würde ihm etwas antun. Er war schockiert und wirklich verängstigt. Ich konnte ihn mit etwas arabisch beruhigen und er bedankte sich bei mir mit „merci“, wahrscheinlich weil ich ihm nichts getan habe. Das war auch für mich eine unangenehme Erfahrung. Ich war auf einmal unverhofft in die Rolle eines bösen ausländischen Predators gefallen, der kleine Kinder verschreckt. Naja, ist ja alles gut gegangen…

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Lebe grün und frei,
Der Wildgruenwanderer 🙂

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