Tirupati und die Moralpolizei

Ich habe mich entschlossen nach Auroville zu Daria zu gehen und dort die restliche Zeit in Indien zu verbringen, bevor ich nach Deutschland zurückfliege.

Auf dem Weg dorthin liegt Tirupati, eine Stadt, die besonders unter Indern berühmt ist, für ihren Tempelberg Tirumala. Ich will mir jedoch etwas ganz anderes angucken. Eine schmale Felskluft mit einem Fluß, die auch auf diesem Berg zu finden ist. Nebenbei ist der Plan natürlich auch zu gucken, was denn an diesen Tempeln dort so unglaublich toll ist.

Also – Bus – Zack -Tirupati. Da es schon spät ist nehme ich mir eine billige Lodge für eine Nacht. Mal wieder ein Dungeon. Ok ein gehobenes Dungeon. Der Besitzer ist nicht gerade freundlich und bedient mich mit einer „Na wenns denn sein muß“ Miene. Nagut, ich will ja nicht voreingenommen sein. Vielleicht ist es einfach nur sein Gesicht.

Ich pelle mich erstmal aus den verschwitzten Klamotten heraus und mach ein wenig Videoschnitt. Plötzlich wird es laut auf dem Flur. Türklingeln. lautes Klopfen. Forsche gutturale Stimmen. Nach einer Weile hämmert es an meine Tür. Ich springe geschwind in meine Hose und öffne. Draussen stehen 6 finster drein blickende indische Cops, die mich auf frischer Tat ertappt wähnten, wo sie mich so oberkörperfrei in der Tür stehen sahen. „Checking!“ Ooookay. Mistrauische Blicke. Geldscheinchen in den Augen. „Passport!“. Ich gebe meinen Reisepass heraus, wo sie zu ihrer Enttäuschung ein gültiges Visum fanden. „What you do here?“ „Since when in India“. Leider fanden sie auch keine unverheiratete Frau – weder in meinem Bett noch auf der Toilette.

Ich kam mir schon vor wie ein Jude im dritten Reich, bevor die Cops dann enttäuscht und ohne Bestechungsgeld abzukassieren wieder verschwanden. Es ging noch eine ganze Weile auf dem Gang, ehe irgendwann Ruhe einkehrte.

Was war passiert? Es war eine der üblichen Razzien, in denen indische Cops versuchen nicht verheiratete Paare in Hotelzimmern beim Liebesspiel oder einfach beim Reden zu erwischen. Beziehungen zwischen unverheirateten Pärchen sind nämlich in Indien verboten und offiziell geächtet. Dennoch gibt es sie natürlich und es bleibt den armen Indern oft nichts anderes übrig als in eine Lodge zu gehen.

Deswegen erlauben viele Lodges und Hotels auch erst gar nicht, das unverheiratete Pärchen zusammen auf einem Zimmer sind. Man darf auch keinen Besuch empfangen. Die Inder wissen sich natürlich zu helfen und täuschen geschickt Dienstreisen vor, z.b. in dem sie mit Geschäftskleidung zusammen aufkreuzen. Es gibt richtige Foren im Internet, in denen es nur darum geht, wie man als unverheiratetes Pärchen einen Raum in einer Lodge bekommt.

Die Cops wissen das natürlich auch und veranstalten regelmäßige Razzien, um sich ein paar hübsche Sümmchen Bestechungsgeld zu verdienen. Wir könnten dich in den Knast stecken, aber weil du es bist gib uns einfach alles Geld was du dabei hast und wir vergessen die ganze Geschichte.

Lange Moralpredigten sind dann wohl auch an der Tagesordnung. Die spinnen, die Inder.

Am nächsten Tag fahre ich schon früh mit einem Bus auf den Tempelberg, wo ich erstmal zusammen mit hunderten von Indern durch eine Sicherheitskontrolle a la Flughafen gehen muß. Meine beiden mittelgroßen Küchenmesser im Rucksack fielen aber anscheinend nicht auf. Ich schätze mal die Leute prüfen dort nicht nach Waffen, sondern nach Pornoheften :D.

Auf dem Plateau gab es dann riesige Menschenmassen, die mittels Massenabfertigung in nicht sehr interessant aussehende Tempel geschleust wurden. Leider mußte ich auch einen Bus in Anspruch nehmen um zum Ausgangspunkt meiner geplanten Wanderung zu kommen.

Man ist als Weißer immer der letzte im Bus, auch wenn man sich versucht anzupassen und kräftig mitzudrängeln. Wer kann steigt einfach schon vorher durch die Fenster ein, während der volle Bus mit zurückkehrenden Leuten noch an die Haltestelle rollt. Auch sehr beliebt: Einfach ein Handtuch oder Kopftuch durchs Fenster auf einen Sitzplatz werfen und ihn so schonmal in Besitz nehmen. Da können sich die deutschen Handtuchliegenreservierer noch eine Scheibe von abschneiden!

Meine eigentliche Wanderung konnte ich dann leider nicht machen, da der Weg anscheinend fast das ganze Jahr über gesperrt ist. Ich habe noch versucht mich so durch die Wildnis zu schlagen, leider ohne Erfolg. Jedoch auch so war die Natur dort wunderschön und es gab viele natürliche Wasserlöcher im Fels zum Abkühlen.

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Lebe grün und frei,
Der Wildgruenwanderer 🙂

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